Zeitungsbericht

                                                                               Der Umwelt- und Naturschutz hat bei uns höchste Priorität. Drei neue Bäume wurden gepflanzt!

Neue Wurzeln am Waldrand
Kleingärtner in Altjeßnitz pflanzen drei junge Bäume und setzen damit ein sichtbares Zeichen für Zusammenhalt und Umweltbewusstsein. Sie sind offen für neue Mitglieder.


 Mitteldeutsche Zeitung: Von Thomas Schmidt 
 Altjessnitz/MZ. Zwischen Irrgarten und Waldrand, unweit der Möhlauer Straße, liegt ein Stück grüne Ruhe am Rande von Altjeßnitz. In der Kleingartenanlage „Am Waldrand“ wird nicht nur geerntet und gefeiert, sondern auch für die Zukunft gepflanzt. Drei neue Bäume – eine Hainbuche, eine Linde und ein Feldahorn – wachsen seit Kurzem dort, wo zuvor die Trockenheit ihre Spuren hinterlassen hatte. Die Pflanzaktion war für die Mitglieder des Vereins mehr als eine Pflichtaufgabe. Sie steht sinnbildlich für das, was den kleinen Verein seit über sechs Jahrzehnten prägt: Zusammenhalt, Eigeninitiative und ein respektvoller Umgang mit der Natur. 

 Gemeinsam anpacken 

 Die Bäume stammen aus der Baumschule Göricke in Dessau-Waldersee. „Die Pflanzen sind etwa fünf Jahre alt und bereits mehrfach verschult, also umgesetzt worden, um kräftig anzuwachsen“, erklärt Claudia Meier von der Baumschule. Die Gärtnerin weiß, dass junge Bäume in sandigem Boden wie hier Geduld brauchen. „Feldahorn und Hainbuche wachsen langsam, die Linde dagegen etwas schneller – wenn sie regelmäßig Wasser bekommt.“ Finanziell möglich wurde die Pflanzung durch die Förderung der SUNK-Stiftung für Umwelt, Natur und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt. 
 Der Gartenverein hatte sich mit seinem Konzept für nachhaltige Aufwertung beworben – und den Zuschlag erhalten. „Wir wollten zeigen, dass auch kleine Vereine Verantwortung übernehmen“, sagt Vereinsvorsitzender Jens Eichler. Er spricht von einem sichtbaren Zeichen für Klimaschutz im Kleinen. Eichler leitet den Verein seit mehreren Jahren gemeinsam mit engagierten Mitgliedern wie Günter Engbarth und Ursula Arens. Die Anlage existiert seit 1963 und zählt derzeit 37 Parzellen, von denen rund zehn leerstehen. 
 „Wir würden uns freuen, wenn neue Pächter dazukommen“, sagt Engbarth. Gerade während der Corona-Zeit habe man gemerkt, wie wertvoll ein eigener Garten sein kann. „Für uns war das damals das Paradies. Wir saßen im Grünen, während andere in der Wohnung festsaßen.“ Die Kleingartenanlage am Waldrand gilt als familiär. Auf dem Gelände darf jeder mitmachen, egal ob jung oder alt, ob aus Altjeßnitz, Hinsdorf oder Berlin. „Wir legen Wert auf Vielfalt und Toleranz“, betont Eichler. 
 „Politische Ansichten oder Herkunft spielen bei uns keine Rolle, Hauptsache, die Leute bringen sich ein.“ Die Gemeinschaft trifft sich regelmäßig zu Osterfeuer und Erntedankfest, nutzt das Vereinsheim für Feiern und hält die Anlage in Eigenleistung in Schuss. Besonderen Wert legen die Gartenfreunde auf naturnahes Arbeiten. Chemische Mittel sind tabu, gedüngt wird sparsam, viele ziehen ihr Saatgut selbst. „Alles, was wir anbauen, ist wirklich bio – mehr geht nicht“, sagt Ursula Arens. In ihrem Garten wachsen Äpfel, Tomaten, Bohnen und Beerensträucher. Günter Engbarth hat eine Weinrebe gesetzt, die in diesem Jahr erstmals Früchte getragen hat. „Knapp vier Kilo Trauben – wir waren richtig stolz“, erzählt er. 

 Seit über sechzig Jahren 

 Auch im Garten von Jens Eichler geht es ursprünglich zu. Kartoffeln, Radieschen und Grünkohl stehen auf dem Beetplan. Wichtig sei die Freude am Tun, nicht die Perfektion, sagt er. „Man muss die Natur machen lassen. Wird es was, ist es gut, wird es nichts, wollte es die Natur so.“ Wie in vielen Vereinen ist auch hier das Ehrenamt die tragende Säule. Die Mitglieder pflegen Wege, kümmern sich um das Vereinsheim und organisieren Veranstaltungen. Bürokratische Hürden und neue Vorschriften machen das nicht leichter, doch der Zusammenhalt bleibt. „Ich habe mein ganzes Leben in Vereinen verbracht“, sagt Engbarth. „DRK, Feuerwehr, Tafel – jetzt hier. Man macht das, weil es dazugehört.“ 
 Mit der Baumpflanzung setzt der Verein nun ein sichtbares Zeichen, das über den Gartenzaun hinausreicht. Es soll zeigen, dass Engagement im Kleinen zählt – und dass solche Orte gebraucht werden. Wer sich für einen freien Garten interessiert, findet auf der Vereinswebsite weitere Informationen. Und vielleicht spenden die drei jungen Bäume schon bald Schatten für neue Mitglieder, die dort Wurzeln schlagen wollen. Gefördert wurde die Aktion durch die Stiftung Umwelt, Natur und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt, finanziert aus Mitteln der Lotto-Toto Sachsen-Anhalt.